Korsika mit allen Sinnen: Was die Insel mit meiner Kunst macht
17.09.2026

Eine Woche Korsika – und jeden Tag eine andere Welt.
Diese Insel hat etwas Ungeduldiges. Kaum glaubt man, eine Landschaft verstanden zu haben, verändert sie sich schon wieder: Das Meer wird zum Fluss, Felsen werden zu tropischen Formen, dann öffnet sich plötzlich ein weiter, menschenleerer Strand. Auf einer Wanderung wechseln sich riesige Steinplatten mit rund geschliffenen Steinen ab, als hätte die Natur ihre Formen vergrößert und mitten in die Landschaft gelegt.

Ich habe viel geschaut, aber noch mehr gespürt. Den Duft der Pinien, das Salz des Meeres, warmen Stein unter den Füßen, korsisches Gebäck, gutes Essen. Die leise Sprachmelodie der Menschen, ihre Aufmerksamkeit und diese ganz natürliche Lebensfreude. Nachts im Zelt mitten im Pinienwald war fast nichts zu hören. Nur die Vögel am Morgen. Eine besondere Form von Luxus: Ruhe.
Und dann dieser Sonnenuntergang auf dem Boot, eine Höhle, das letzte Licht auf dem Wasser und korsische Spezialitäten. Bilder, die nicht nur im Kopf bleiben, sondern sich irgendwo tiefer festsetzen.

Ich mehme von Korsika gar nicht so sehr einzelne Motive mit nach Hause, sondern Formen, Oberflächen und Stimmungen. Das Runde der Steine. Die Struktur des Felsens. Das flirrende Licht. Die Weite. Die Ruhe zwischen zwei Geräuschen.
Vieles davon finde ich auch in meinen Zirbenbildern wieder. Mich interessiert an der Natur nicht ihre perfekte Abbildung, sondern das, was sie in uns auslöst. Eine Maserung, eine Kerbe, eine Oberfläche kann mehr erzählen als ein genau gemaltes Motiv. Das Holz bringt seine eigene Geschichte mit. Ich arbeite mit ihr.
Korsika hat mir wieder gezeigt, wie viel Kunst mit Aufmerksamkeit zu tun hat. Mit dem Innehalten. Mit dem genauen Schauen. Und mit der Bereitschaft, sich von einer Landschaft berühren zu lassen.

Jetzt ist wieder Zeit für Holz, Werkzeug, meine Hände - und für das, was dadurch aus diesen Eindrücken entstehen darf.
Liebe Grüße
Anita
